Im Jahre 1228 wird in einer Urkunde über den Geisthof angegeben, dass dieser "intra opidum Dessouowe" liege. Nun ist aber "oppidum" ein für die ältere Zeit beinahe technischer Ausdruck, worunter ehedem der Burgflecken "suburbium, opidum (castro) subiacens", d.h. ein nächst der Burg, jedoch außerhalb ihrer Ummauerung erwachsener Häuseranbau verstanden wurde.
Diesem oppidum steht dann einerseits gegenüber der Begriff "urbs" als eigentliche Burgstadt und "civitas" als "der mit Mauern umgürtete Ort, insofern er zugleich Träger eines von eigener Obrigkeit geleiteten Gemeindeverbandes geworden war".
Wenn nun der Geisthof in der "Vorstadt" oder dem "Vororte" liegt, so müssen die Grenzen der eigentlichen Stadt engere und diese selbst nach der Gegensätzlichkeit der Begriffe mit Mauern umgeben gewesen sein. Aber selbst wenn der aus den Stadt-Bezeichnungen entnommene Beweis als weniger bindend angesehen würde, so dürfte die Annahme eine ziemlich sichere Stütze in der Stadtanlage erhalten.
In dem alten Stadtplan lasse nsich unschwer zwei Teile erkennen, eine annähernd quadratische Anlage und deren dreieckartige Verlängerung nach Norden hin. Von diesen beiden Teile ist die quadratische Anlage, also eine "urbs quadrata", die ursprüngliche, offenbar ummauerte Stadt und der älteste Teil der Ansiedlung überhaupt.
Sie hat nach Süden hin an den Eckpunkten vermutlich zwei größere Bastionen gehabt, an deren Stelle im Südosten das Schloß liegt; ob zwei entsprechende im Norden gelegen haben, läßt sich nicht mehr erkennen.
Eine einzige Straße durchschneidet die Stadt von Süden nach Norden, deren Ausgangspunkte durch Thore gebildet, durch Thortürme gesichert waren. Den vier Mauern parallel laufen die vier anderen Straßen in regelmäßiger Linie, zwei derselben haben einen Ausgang nach Osten, offenbar einst geschützt durch Thortürme.
Das Ganze war, wie gesagt, ummauert, die Mauer erhob sich auf einem Erdwalle, und vor diesem floß rund um die Stadt der von der Mulde gespeiste Stadtgraben.
Der Vergleichung ihrer Größenverhältnisse, ihrer Ausdehnung wegen will ich noch mitteilen, daß duese quadratische Altstadt in Länge und Breite etwa die Ausdehnung von 250 Metern hat.
nach Prof. Wäschke in seinem Buch "Geschichte der Stadt Dessau - 1901"